Attachment Parenting was ist das genau?

Vielleicht wisst ihr es noch von meinem ersten Blog, wir sind „Anhänger“ des Attachment Parenting Stils. Heisst ganz kurz Folgendes: Wir begleiten unsere Kinder bedürfnis-orientiert. (Haha leider nicht immer nach unseren Bedürfnissen: Ruhe, viel Schlafen etc :D) sondern nach ihren Bedürfnissen. Natürlich so dass es für alle stimmt und nicht die Eltern ausbrennen. Aber im Grundsatz bedeutet es viel Stillen, viel Nähe geben und Tragen, gemeinsam im Familienbett schlafen, auf Weinen und Gefühle direkt und so feinfühlig wie möglich reagieren.

Heute habe ich mich mit Tamara von Nestwärme zusammen getan und dachte mir am Besten ist es wenn sie das euch so erklärt. Denn sie ist quasi ein Profi.

Attachment Parenting, kurz AP was ist das?

Sicher habt Ihr auch schon davon gehört oder gelesen. Vorreiter der sogenannten „bindungsorientierten Elternschaft“ ist der amerikanische Kinderarzt William Sears. Mit einem seiner zahlreichen Bücher hat er ein Standardwerk für amerikanische Eltern geschaffen. The Baby Book ist eine „Bibel“ wie sie es hierzulande Remo Largos Babyjahre sind. Nur ist es noch um einiges dicker und legt sein Hauptaugenmerk auf die von ihm propagierten Pfeiler

die „7 Baby B’s of Attachement Parenting“, die da wären:

  • Birth Bonding – (Bei und nach der Geburt direkt bonden)
  • Belief in your Baby’s Cries – read and respond to your baby’s cues (Das Baby ernst nehmen)
  • Breastfeed your Baby (Stillen)
  • Babywearing – carry your baby a lot (Baby tragen)
  • Bedding close to Baby (Nahe dem Baby schlafen)
  • Balance and Boundaries (Balance und Grenzen)
  • Beware of Baby Trainers (Bedeutet so viel wie richte dich nach deiner Intuition und nicht nach Tabellen und Plänen)

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Also: Bonding schon von Geburt an, auf das Weinen des Babys antworten, es zu stillen, zu tragen, nicht alleine schlafen zu lassen etc.
Sears sieht diese Pfeiler aber keineswegs sakrosankt. Ihm ist bewusst, dass z.B. nicht jede Mutter stillen kann oder will oder dass nicht unter allen Umständen sofort auf das Weinen eines Kindes reagiert werden kann. Und dass ein Baby auch zufrieden sein kann, wenn es nicht ständig nah am Körper herumgetragen wird. Er lässt jedem offen, wie er mit seinem Kind umgeht. Er gibt lediglich eine Richtung vor, was man machen kann um das Beste aus der Eltern-Kind-Bindung herauszuholen.

“The time in your arms, at your breast, and in your bed is a very short time in the total life of your child, yet the memories of love and availability last a lifetime .” –Dr. William Sears

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Denn eine gute Bindung bereitet das Kind optimal auf die Herausforderungen des Lebens vor, gibt ihm die nötige Geborgenheit und das Urvertrauen um sich später langsam zu lösen und zu einer eigenständigen Persönlichkeit zu werden, die selber einmal den Umgang mit den eigenen Kindern so pflegt wie es ihn bei den Eltern miterlebt hat.

Auch bei uns findet langsam ein Umdenken in diese Richtung statt. Im Prinzip ist AP nichts anderes als ein ganz natürlicher und instinktiver Umgang mit unseren Babys und Kindern, wie er bei Naturvölkern noch ganz selbstverständlich praktiziert wird. In der westlichen Welt kam man irgendwann davon ab.

So predigte z.B. die deutsche Ratgeberautorin Johanna Haarer 1934 im 3. Reich in ihrem Buch, dem Kind ja nicht nachzugeben, wenn es weint: „Dann, liebe Mutter, werde hart! Fange nur ja nicht an, das Kind aus dem Bett herauszunehmen, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder es auf dem Schoß zu halten, es gar zu stillen. Das Kind begreift unglaublich rasch (…). Nach kurzer Zeit fordert es diese Beschäftigung mit ihm als ein Recht, gibt keine Ruhe mehr, bis es wieder getragen, gewiegt oder gefahren wird – und der kleine, aber unerbittliche Haustyrann ist fertig.“ Dies hält sich leider noch immer in vielen Köpfen. Nicht von ungefähr sagen ältere Menschen darum gerne, wir würden unsere Kinder verwöhnen und raten, es nicht immer gleich hochzunehmen, wenn es weint. Noch heute werden Ratgeber-Bücher wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“ verlegt und verkauft und tragen dazu bei, dass viele, unwissende Mütter, die vielleicht instinktiv richtig handeln würden, sich verunsichert fühlen.

Aber zum Glück gibt es immer mehr Autorinnen, die sich für einen bindungsorientierten Umgang mit unseren Kindern einsetzen und deren Werke ebenfalls grossen Absatz finden. Darum ganz generell: Hört auf Euer Herz, tut, was IHR für richtig hält und lasst Euch von niemandem dreinreden, denn Ihr seid die Mutter/der Vater und es ist allein Euer Kind, dem ihr den besten Start ins Leben ermöglichen wollt. Schaut, was für Euch stimmt. Nicht jede kann stillen, nicht jede(r) kann neben einem Säugling schlafen und nicht jede(r) kommt damit zurecht, ihr Baby am Körper zu tragen. Das heisst aber nicht, dass Ihr nicht ebenfalls eine wunderbare, innige Beziehung zu Eurem Kind pflegen könnt, denn auch Ihr könnt auf die Bedürfnisse Eures Kindes ohne Verzögerung eingehen, könnt es hochnehmen und beruhigen wenn es weint. Und, wie auch Sears immer wieder betont, bedeutet das nicht, die eigenen Bedürfnisse aussen vor zu lassen, denn nur zufriedene Eltern, die auf sich Acht geben und sich Unterstützung holen wenn sie welche brauchen, können auch auf die Bedürfnisse Ihrer Kinder eingehen.

Ich (Hier wieder Deborah) finde vor allem auch den letzten Punkt wichtig, man darf sich selber nicht vergessen, muss auch auf seine eigenen Bedürfnisse achten nur so können wir die Bedürfnisse der anderen angehen. Nur so können wir authentische Vorbilder sein. Denn wir wissen es selber wenn die Eltern rauchen und einem sagen man solle nicht rauchen, kann man die nicht wirklich ernst nehmen 🙂 Balance und Liebe und Mitgefühl und Geduld für alle Familienmitglieder. Ausserdem mag ich auch gerne darauf hinweisen, dass attachment parenting gar nicht nur von Müttern gelebt werden muss, ein Tragepapa, ein Papa der nachts aufsteht um Windeln zu wechseln und der die Kinder auf seiner Brust einschlafen lässt, ist absolut zeitgemäss und eine wunderschöne Ergänzung zu einer AP-Mama. Danke an dieser Stelle an Tamara für die Ausführungen.

Tamara Beck ist Bloggerin bei Mama mal 2 (bald 3 😉 und seit Jahren leidenschaftliche Trageberaterin bei Nestwärme. Sie bietet Stilltreffen, Stoffwindelberatungen und Windelfrei-Coaching an und ist offen für alle Fragen rund um eine bindungs- und beziehungsorientierte Elternschaft. Auf Ihrer Website findet man sehr viele Infos und Links, Aktuelles gibt es meist auf ihrer Facebook Seite.

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